Jedem Schritt laufen kullernd Kaffeebohnen, Käsereste, kleine fiese Steinchen, Staubschwädchen hinterher. Ausgespülter Kaffeesatz rinnt widerwillig an Töpfen und Gläsern und Besteck und Deckeln und Tellern auf den Abfluss zu. Er hält an klebenden Essensresten, bildet Landkartenartige Linien. Eine Wahrsagerin würde mit diesem Becken gutes Geld verdienen.
Mit den letzten Tropfen, sie landen beinahe geräuschlos im Tieflader des schmalen Badezimmers, kommen die Statisten von Hair Wars zum Stehen. Regieanweisung: Kommando zurück! Schon folgen sie Herrn Socke Rechts und Frau Socke Links zum Waschbecken und verteilen sich anschließend in fröhlicher Feierabendstimmung auf Schwelle, Fliese, gern auch gen Küchenlaminat. Bis die nächste Sockeninvasion Unruhe stiftet. An den rauen Wänden des Duschbeckens fehlen nur noch wenige Griffe zur Ergänzung krustiger Talgreste ungeklärter Herkunft. Schon könnte es, zusammen mit den vernarbten Fliesen, ins amtliche Kletterwandverzeichnis Deutschlands aufgenommen werden.
Jetzt, meint M0, heißt es logisch vorgehen und die Ruhe bewahren. Den ersten Rückschlägen zum Trotz, lassen sich die Hair Wars Statisten vertreiben! Alle! Die Schwarzen, die Blonden und die Undefinierbaren! Aber eins nach dem Anderen. Zunächst müssen die pochenden Schläfen begutachtet werden. Dafür blinzelt er eine Reflektion in humanoider Silhouette an und verbindet das gewohnt mit der Tagesration Sport. Heute: Cha-Cha-Cha. Umherhüpfend kann er sich, ähnlich dem Abfassen einzelner Bildpunkte und –zeilen im Stile eines Scanners, Stück für Stück ein Bild von sich machen.
Das Herausrechnen der Zahnpastaflecken in Spuckmuster, der Schlieren und kunstvoll hängen gebliebenen Keratinstrukturen, nicht zu vergessen der Wasserrinnsäle und Kalkreste, verdient wissenschaftliche Dokumentation, Patentanmeldung, Mathematiknobelpreis. An nicht reflektierenden Abschnitten vorbei, entsteht Punkt für Punkt ein Gesamtbild. Er sieht gut aus, Rasieren könnte nicht schaden. Glücklich über die Erfindung des Cha- Cha-Cha-Scanners folgt schwungvoller Griff nach Zahnbürstenbecher. Hexenschussartig wird die Bewegung nach oben links verdankt. Nach zwei Versuchen folgt Aufgabe. Becher einbetoniert – in grauweißem Kreis aus Zahnpasta, Kalk und wer weiß was noch. Geröll alter Klingen und Einwegrasierer beherbergt den eigenen Mäher. Nach erfolgreicher Vertreibung fremder und eigener Stoppeln und Narben auf feinem Waschporzellan, ist M0’s-Gesichtskahschlag schnell erledigt. Ausgerechnetes Cha- Cha- Cha-Scanner-Ergebnis lebe hoch. Erfolg.
(Fortsetzung folgt)
Verfasst von dr.go