Der Blinde in der weißen Ecke

24.Oktober, 2007

Beim Arzt. Es ziept. Dann Schmerz. Nein, Schmerzmittel, wo denken sie hin. Und weiter? Mahlzeiten gingen auf Wanderschaft. Schlaf und Ernähung ähnlich: Keiner und keine. Unverständnis. Schlaf verlor gegen Schmerz, feste Nahrung gegen Brühe und Knäcke. Wenn schon Essenswanderschaft, dann so wenig als möglich. Einleuchtend für den Mann in der weißen Ecke.
Krankenhausaufenthalte bisher nur als Praktikant. Hinlegen, freimachen, ein- ausatmen. Abtasten, anziehen. Bisherige Krankheiten?
Außer Akne, Schnupfen, Studium: Nein. Unser Humor verträgt sich nicht. Diagnose besorgniserregend. Krankenhaus, schnell, Appendix mag Bauch nicht. Blinddarm raus, ebenfalls schnell. Was zuerst? Einweisung.
Warten.
Puls OK. Warten. Tröpfchen ins Röhrchen. Warten. Kaffeeautomat teuer, Raucherecke draußen. Risiko – will Aufruf nicht verpassen. Cappuccino. Doch rauchen. Warten. Zwischenzeit: Warten 35min, Untersuchung 2min.
Rettungsstellenarzt freundlich, jung, Untersuchung. Bestätigung der ersten Diagnose. Warten. Aufruf: Platznehmen. Azubi soundso wird’s machen. Sicher, keine Einwände. Eigenartige Einstiche im Unterarm. Nichts weltbewegendes, Azubi hört zu, schreibt auf: Kleine Verletzungen und Heroin. Azubi wird blass. Unser Humor verträgt sich – aber nicht unter den gegebenen Umständen. Winke ab, sage die Wahrheit: Kleine Verletzungen und häufige Plasmaspende. Azubi versteht. Und zückt die Nadel. Schwester gibt Acht, Azubi versticht sich hoffnungslos. Schwester entschuldigt. Keine Ursache. Zeige dem Azubi die dicke Vene. Treffer. Azubi versteht, zieht, zieht ab. Decke den Einstich schnell ab. Kurz vor dem großen Venenspringbrunnen: Gerettet. Schwester bedankt sich, ehrlich und erkundigend. Azubi blass.
Warten.
Der Linie folgen, gelb oder blau, am Ende wartet Ultraschall. Richtig: Warten. Hinsetzen, gleich geht’s weiter. Schall zeigt: zu wenig. Schallarzt: Kann schmerzhaft sein, sicher, aber abwarten. Warten. Gebücktes Zurückgehen, gelb oder blau. Warten.
Zwischenzeit: Warten 5h;50min , Untersuchung 1h;05min.
Warten.
Chefarzt locker. Schwatzt. Freimachen, hinlegen. Tippt, streicht, drückt. Schwatzt. Sehr angenehm. Lebt. Trifft, so nebenbei im Schwatzen, g e n a u den Punkt!
„DAS!“, gebe ich zu verstehen, „MACHEN SIE BITTE NIE, NIE WIEDER!“, und zwinge ein Lächeln hervor. Chef lacht. Verpsricht: Nie wieder. Indianerehrenwort. Aber: Nein, raus kommt der Blinde nicht. Auf Verdacht schon gar nicht.
Verdacht?
Schließlich haben sie es zwei Tage ausgehalten.

Sechs Monate später.
Verdacht. Noch mal von vorn. Arzt ist Ärztin. Sonst alles gleich: Einweisung. Morgen. Stelle sprechen ab: Tausche gegen Blökalphabet für 24 Stunden.


Blök.

22.Oktober, 2007

blok.jpgDarf ich vorstellen: Der vielleicht erste Blökblog. In der Kategorie Blök. Oh, angenehm, wird der eine Mensch denken. Igitt, der andere. Wir, die Schafe einer undurchsichtigen Welt, sind aufgerufen zu blöken. Und wer im Chor blökt, hat bekanntlich ein angenehmes Leben. Wer nicht, liest hier. Denn gegen den Chor blöken birgt erfolgreiches Leben. Nicht immer einfach. Als noch ein Fernseher diese vertippten Hallen beflimmerte, wies Blöken zur logischen Verbannung von Privatsendern. Dann raschelten Zeitungen. Blöken spart Geld! Denn: Es sind wenige Formate nötig, erkennbar am niedrigen Blökanteil beim Lesen.
Shoppen ist blöken. Ausgehen birgt bullige Blökideen. Blöken ist Lifestyle und Plattform für allerlei Gedanken in mit um an bei allem was der Tag, das Jahr, der Blök für einen bereithält. Blöken bringt Blogs! Und so auch diese Kategorie: Blök.
Gleich aus mehreren Gründen so genannt: Umlaute sind immer angesagt. Für Überseemenschen exotisch und unaussprechlich, fürs Web giftig, fürs Für nötig und in Titeln selten.
Jeder Leser ist aufgerufen mitzublöken. Immer ran! (Es sind stets alle Geschlechter gemeint!) Einmal umgesehen, gibt es viele An- Ein- Absichten, die blökenswert sind. Im und gegen den Chor. Blökchor. Blor. Also bald mehr.
Blök’n’roll.


M0 und die Kletterwand: M0 a.D. (bitte am Anfang beginnen – vom 18.10:-)

22.Oktober, 2007

Glattgekämpft, mit dem Mopp-Bajonett bearbeitet, geschabt, chemisch angegriffen, entleert, befreit und flussbefähigt – je nach Art und Erfordernis der Angriffe – werden Badinien und die anderen Zweitheimaten wieder in den Ausgangszustand versetzt. Gebrochen verlassen einige Männer die Einheit.
Die anderen werden zum Einsatz nach Küchanien zurück geschickt. Dort wurden letzte Lager verfeindeter Stammestruppen ausgehoben. Emaillefabriken- und Lager müssen umstellt, befreit und wieder in Betrieb genommen werden.
Vereinzelt kommt es zu Aufständen. Autonomiebestrebungen und lang anhaltende Verseuchungen erfordern ebenfalls Truppenpräsenz. Noch unterwegs nach Küchanien erhält M0 den lang ersehnten Bericht über die eigenen Ländereien. Seine Anwesen erreichten seit der Spülistan-Invasion eine schier unfassliche Größe.
Verniedlichend und wegen der reichen Begrünung Gartenstraße genannt, liegen sie außerhalb des Territoriums Badiniens. Als neutrales Gebiet unangetastet, wähnt er sich hier am Ende einer Schlachtenserie. Weit gefehlt. Fluromés Spezialisten haben die Wetterkontrolle ausgebaut. Neue Sandstürme, hie und da Feindbefall. Hinterhalte lassen die Veteranen der Einheit freudig zum Kampf blasen. Machterprobt greift M0 an – diplomatisch, nachrichtendienstlich, militärisch. Neue Devise: Gebündelte Maßnahmenpakete bergen Potential! Nach kurzen Verhandlungen gesteht die Zentralregierung Badiniens den Einsatz des umstrittenen Vakuum-Zerstörers ein. M0 gewinnt die Oberhand. Noch ehe die Siegesfeiern und –gelage verklingen, wähnt sich General a.D. M0 in Regierungsämtern, Spitze des Nachrichtendienstes, ja gar Konzernchef im Handel und Einsatz diverser Chemikalien und militärischem Gerät. Protektiert, schwerreich und erfahren beginnt ein neuer Abschnitt seines glorreichen Schaffens.


M0 und die Kletterwand: Presshallen

21.Oktober, 2007

Heimflug fällt aus. Landung der Transporter nahe den Presshallen unmöglich. Markierungen nicht sichtbar, Gelände unpassierbar. Mit den Bajonetten bestückt, vertreiben die M0-Einheiten verlustreich Feinde. Glorreicher Ansturm. Inzwischen Treffen die Verbände aus Tischaserbaidschan zur Verstärkung ein. Bericht: Ganze Arbeit geleistet. Tischaserbaidschan befreit, sichere Regierung installiert, Anrainerstaaten (Stuhlomenien 1, 2 und 3) angegliedert, Feindgerät deinstalliert, entsorgt, gegebenenfalls entmilitarisiert.
Mit der Verstärkung können die Presshallen befreit werden! Erneuter Ansturm! Eimerweise ergießt sich Heer M0 über den Feind! Der alte Ausdruck „Presshallen“ weicht der neuen amtlichen Bezeichnung bald: Laminitien, das Vorland zu Spülistan, erstrahlt im neuen, imperialistischen Glanz! Mit dem neuen Gerät, die Heimforscher haben ganze Arbeit geleistet, gestaltet sich der Vormarsch nun verlustarm. Zwar unterbricht die Vorbereitung des Gerätes den Angriff, danach aber können die Feinde sprichwörtlich aufgesaugt werden. M1 oder M2 vergaßen verstopfte Versorgungsleitungen des Gerätes zu befreien, der Vakuum-Zerstörer leistet dennoch bald gute Arbeit!
Die zweite Welle erledigt den Rest. Unmengen an Wasser, Mopp-Bajonetten und die gute alte chemische Kriegsführung nehmen alles mit, bis auf die „echten“ Flecken, Narben vergangener Kriege zwischen den Schönheiten Laminitischer Baukultur
Ab in die Heimat!
In den einstmals hell strahlenden Gefilden herrscht Chaos, in den M0-Verbänden Unmut: Warum hat uns die Regierung nicht informiert? Badinien liegt in Trümmern! Krusten thermischer Angriffe, vermengt mit den Leibern treuer Volksfreunde kleben an Steilhängen, zerborstene, gekringelte Späne bevölkern den Boden. Kalkflecken trüben den Spiegel der Erkenntnis, Undefinierbares behängt den Topf der heiligen Entleerung. Wasserleitungen sind nahezu verstopft und die Zugänge zum Volk der Kanalisten gleichen verbarrikadierten Abflüssen!
Der Heimurlaub verkommt zum Wiederaufbau. Aus Monaten werden Jahre – und an der Front wird M0 dringend gebraucht. Unmengen an H2O, C2H6O und geheimen Substanzen vertreiben die Feindarmeen. Zu langsam werden Krusten an Steilhängen abgeklopft und abgeschabt, fliesenartig soll es aussehen, so die Weisung des Generalstabs.
Gleichzeitig werden die Hallen der heiligen Entleerung bearbeitet.
Wie geraten diese Abfälle immer wieder in die Reservevorrichtung der Bürstenwerke? Die Aufklärer sind mit ihrem Latein am Ende. Der Vakuum-Zerstörer wird angefragt. Daraufhin kommen die Mopp-Bajonette zum Einsatz, inzwischen eine eigene Truppe von beachtlicher Stärke. Der Spiegel der Erkenntnis erfordert Spezialisten des Heeres. Die historischen Bauten des Von Kulibert (die Versorgungshallen des Spiegels der Erkenntnis, auch als Schrankbau von Badinien bekannt) ist eine Aufgabe für sich. Keratinbeschuss, Schlieren notgelandeter Kalktransporter (offensichtlich eine wichtige Ressource in Badinien), Unmengen chemischer Rückstände machen eine ganz neue Gruppe von Spezialisten erforderlich.

(Fortsetzung folgt)


M0 und die Kletterwand: E-H:Erd

20.Oktober, 2007

Aus den Gebieten um Tischaserbaidschan und Fensterittanien tauchen immer neue Lagerbestände vertriebener Truppen ein. Ächzend fassen die Metallkörbe der Anlage Spültab Bestand um Bestand. Braungebrannt durch die Hochsonne macht sich M0’s Einheit auf zu den Verbündeten. In den Lagern von M1 und M2 finden sich weitere Bestände an zu reinigenden und zu untersuchenden Indizien. Die Feindarmee hat ganze Arbeit geleistet. Arbeitsgerät und Material aus allen Teilen der Welt – sogar gestohlenes aus eigenen Beständen! Alles benutzt, verschlissen und liegen gelassen. Der Engpass in Fluromé stellt sich als Hinterhalt heraus. Der feige Feind verteilte Unrat auf den Versorgungswegen. Glassplitter zerstören Pneus, Papierberge drohen mit Erosion, Staubstürme verstopfen Vergaser, stören die Orientierung. Wettermacherei in den Händen Fluroméischer Sammler? M0 erstattet Bericht. Die Kartographisierung und Befahrbarmachung Fluromés birgt Beförderung. Als Chef der Aufklärung und Leiter eigener Abteilungen, kämpft sich M0 nach Spülistan zurück.
Ächzend, überladen, chaotisch bestückt, schieben sich die Metallkörbe der Anlage Spültab in Hochdruckposition. Das weiße Portal, plattenbauhoch und straßenbreit schließt sich krachend. Befehl: Auf Signal: Druck! darf (inzwischen Generalleutnant der Geheimpolizei und General im Feld) M0 selbst erteilen. Ein gutes Gefühl.
Noch vor der Abreise stellt sich heraus: Befehl nicht ausführbar, Versorgungsmangel verhindert Einsatz! Mit einer Spezialeinheit macht sich M0 auf ins Zentrallager. Später steht im Logbuch: Versorgungswege waren’s einst, jetzt sind es Trümmerfelder! Der Helmpropeller hilft ihm und seinen Männern schnell ins Lager zu gelangen. Unterhalb Spülistans finden sie das wertvolle Spezialsalz und die teuren Lösungen, ohne die der Einsatz fehlschlagen musste. Mit ein paar Tabs (Sonderbezeichnung für einen ätzenden Block aus vielen Mineralien) finden sie zurück ins Speziallabor. Endlich kann die Anlage in Betrieb genommen, das geborgene Material gereinigt und untersucht werden. Das Rauschen, Klappern und Brummen der Anlage ist bis in die geheimen Presshallen zu hören. Hier beginnt der nächste Einsatz.
M0 muss sich teilen. Zu viele Aufgaben. Während die Verbände M0-a und M0-b das Gebiet um Spülistan mit neuester Technik räumen, die metallenen Rippen polieren und Spülistans Kanalisation gangbar machen, startet M0 einen Überraschungsangriff.
Die heißen Rondelle in E-H:Erd sind durch Luftangriffe völlig zerstört. Neuer Auftrag: Gangbarmachung, Wiederinbetriebnahme, Reinigung. Hartnäckige Gegenwehr. Riesige, mit Metallfransen versehene Bürsten schaben über die metallene Gangway. Pressluftbetriebene Metallstäbe kratzen Krusten aus Fugen, Gängen und Rillen. Bald unterscheiden sich die Rondelle farblich von den Edelstahlflächen, die zum Sieg so wichtig sind! Hartnäckige Zerstörungen der sensiblen Technik müssen mit chemischen Hilfsmitteln bearbeitet werden. M0, weil das Speziallager bereits entdeckt und gesichert, lässt sich milchartige Lösungen, mehr Metallbürstenräumgerät und zusätzliche Männer senden. Nach Wochen der Räumung und Organisation steht Heimurlaub an.

(Fortsetzung folgt)


M0 und die Kletterwand: Gedankenwelt

19.Oktober, 2007

In der Gedankenwelt ist alles kostenlos. Kurz erdacht, schon steht M0 stramm: Im Flecktarn, grob gewebt und stabil, in klappernden Stiefeln (auch zum Klettern geeignet), Bajonett (weich und flaumig auf den Moppstiel geschraubt) und profilierten, engen Handschuhen. Fehlt noch der Helm. Mit Propeller oben dran. Das nimmt die Ernsthaftigkeit und hilft an Steilwänden. Wer klettert schon gerne über Krusten extragruppialer Körperreste. Da ist fliegen einfacher, so wird der gefleckte Rucksack an gefühltem Gewicht verlieren. Salute!
M0 greift zum Handfunkgerät. Unter Knacken und Rauschen vernimmt er Kettenquietschen und große Dieselmotoren. Jawoll, gibt ein Gefreiter zu verstehen, Räumgerät fährt an. Hinter der Türenge von Küchanien schiebt schweres Gerät (einst zum Minenräumen gedacht) Berge von Verpackungen, Verpflegungsresten, Kaffeebeständen und Toastklippen zu einem Knäuel zusammen. Mit diesen Indizien können Ernährungsgewohnheiten, Munitionierung, Zustand und Stärke der vorbeigezogenen Truppen rekonstruiert werden. M0 leitet die Sackkolonne: Eintüten, unter Quarantäne stellen, lautet der Befehl.
Ein Kavalleriehorn bläst den Angriff in den Hochebenen zu Spülistan, wo sich Guerillaverbände verschanzt hatten. Was die Reiter finden sind Minerallager und Altmetall, Gelagereste und Feuchtbiotope. Was wollten die damit nur? Biologische Kriegsführung testen? M0, inzwischen zum Hauptfeldwebel ernannt, erhält Zugang zu hochgeheimen Abteilungen. Ein Weißes Tor öffnet sich wie eine Ladeluke. Emaille-, Metall- und sonstige Truppenbestände müssen gereinigt werden. Zur besseren Untersuchung, wie es heißt. In Metallkörben, unter Hochdruck. Unter folgendem Decknamen läuft „Operation Spültab“ an. Noch ehe die Verwunderung über dieses Wunderwerk nachlässt, folgt die Hiobsbotschaft: Anlage erfolgreich sabotiert, Saboteure unerkannt davongekommen. Der Schaden ist immens. Sämtliche Filteranlagen sind ebenso verstopft, wie es die Ebenen zu Spülistan waren. Sie müssen aufwändig entnommen, begutachtet, gereinigt, wieder eingesetzt werden. Der Gestank macht M0 zu schaffen, seine Männer müssen immer häufiger mit Atemwegsbeschwerden ins Lazarett. Er meistert die Aufgabe vorbildlich, Beförderung, Stabshauptmann.

(Fortsetzung folgt)


M0 und die Kletterwand: Hair Wars

18.Oktober, 2007

Jedem Schritt laufen kullernd Kaffeebohnen, Käsereste, kleine fiese Steinchen, Staubschwädchen hinterher. Ausgespülter Kaffeesatz rinnt widerwillig an Töpfen und Gläsern und Besteck und Deckeln und Tellern auf den Abfluss zu. Er hält an klebenden Essensresten, bildet Landkartenartige Linien. Eine Wahrsagerin würde mit diesem Becken gutes Geld verdienen.
Mit den letzten Tropfen, sie landen beinahe geräuschlos im Tieflader des schmalen Badezimmers, kommen die Statisten von Hair Wars zum Stehen. Regieanweisung: Kommando zurück! Schon folgen sie Herrn Socke Rechts und Frau Socke Links zum Waschbecken und verteilen sich anschließend in fröhlicher Feierabendstimmung auf Schwelle, Fliese, gern auch gen Küchenlaminat. Bis die nächste Sockeninvasion Unruhe stiftet. An den rauen Wänden des Duschbeckens fehlen nur noch wenige Griffe zur Ergänzung krustiger Talgreste ungeklärter Herkunft. Schon könnte es, zusammen mit den vernarbten Fliesen, ins amtliche Kletterwandverzeichnis Deutschlands aufgenommen werden.
Jetzt, meint M0, heißt es logisch vorgehen und die Ruhe bewahren. Den ersten Rückschlägen zum Trotz, lassen sich die Hair Wars Statisten vertreiben! Alle! Die Schwarzen, die Blonden und die Undefinierbaren! Aber eins nach dem Anderen. Zunächst müssen die pochenden Schläfen begutachtet werden. Dafür blinzelt er eine Reflektion in humanoider Silhouette an und verbindet das gewohnt mit der Tagesration Sport. Heute: Cha-Cha-Cha. Umherhüpfend kann er sich, ähnlich dem Abfassen einzelner Bildpunkte und –zeilen im Stile eines Scanners, Stück für Stück ein Bild von sich machen.
Das Herausrechnen der Zahnpastaflecken in Spuckmuster, der Schlieren und kunstvoll hängen gebliebenen Keratinstrukturen, nicht zu vergessen der Wasserrinnsäle und Kalkreste, verdient wissenschaftliche Dokumentation, Patentanmeldung, Mathematiknobelpreis. An nicht reflektierenden Abschnitten vorbei, entsteht Punkt für Punkt ein Gesamtbild. Er sieht gut aus, Rasieren könnte nicht schaden. Glücklich über die Erfindung des Cha- Cha-Cha-Scanners folgt schwungvoller Griff nach Zahnbürstenbecher. Hexenschussartig wird die Bewegung nach oben links verdankt. Nach zwei Versuchen folgt Aufgabe. Becher einbetoniert – in grauweißem Kreis aus Zahnpasta, Kalk und wer weiß was noch. Geröll alter Klingen und Einwegrasierer beherbergt den eigenen Mäher. Nach erfolgreicher Vertreibung fremder und eigener Stoppeln und Narben auf feinem Waschporzellan, ist M0’s-Gesichtskahschlag schnell erledigt. Ausgerechnetes Cha- Cha- Cha-Scanner-Ergebnis lebe hoch. Erfolg.

(Fortsetzung folgt)


Hello my world!

17.Oktober, 2007

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